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Drabbles

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Drabbles / Copyright

Jana und Tina haben viele schöne Drabbles geschrieben. Drabbles sind kurze
Geschichten, die aus genau 100 Wörtern bestehen. Viele kennen sie bereits aus
dem Hape-Forum und nun haben uns die beiden ihre Drabbles für die HAPEWELT zur Verfügung gestellt - vielen Dank!
Das Copyright liegt beim jeweiligen Urheber!



Biiitte!

„Bitte, Schätzelein!“
„Nee, Horst!“
„Bitte Gisela, tu’s für misch!“
„Vergiss es!“
„Warum denn nisch?“
„Isch hab einfach keine Lust! Kannst du dat nisch respektieren!?“
„Nein… bitte bitte! Isch tu auch alles für disch, wat du willst!“
„Warum willste denn überhaupt?“
„Weil isch halt so heiß drauf bin!“
„Du musst auch ma lernen deine Leidenschaft zu zügeln.“
Horst fiel vor Gisela auf die Knie und sah sie aus glänzenden
Augen an. „Biiiiiiitte!!!“ Gisela hasste es, wenn Horst diesen
treudoofen Hundeblick aufsetzte, doch sie blieb standhaft.
„Nein, dat is endgültisch!“
Horst schniefte geräuschvoll „Bitte.“
„Horst! Ein für allemal! Dat sind meine Gummibärschen!!“

© by Tina

Denglisch

„Of course, you are Hans-Peter! You must be! You have
his eyes!“
Anne starrte Horst Schlämmer mit einem Ausdruck wütender
Entschlossenheit an. Dieser verschränkte die Arme und grunzte:
„Darling, like I told you before, I'm Horst Schlämmer, don't
bring me on the palm! With me is not good cherry eating!“
Anne knurrte: „Well, Hans-Peter, you must have an important
reason for lying...“ Sie schüttelte ungläubig den Kopf.
Horst erstarrte. „Impotent? Bunny, I show you that I am
not impotent!“
„Well!“ Anne reichte es. „Do what you want, but let me say you
one thing: Your english is under all pig!“

© by Tina

Der Sinn des Lebens

Zu vorgerückter Stunde saßen einige Stammkunden – darunter
auch Horst und Gisela – im Wilddieb und der Doornkaat brachte
jene verrauchte, depressive Stimmung hervor, bei der man über
den Sinn des Lebens nachzudenken beginnt…
„Du, Horst… warum leben wir eigentlisch?“, fragte Gisela. Horst
grunzte und erhob einen Zeigefinger. „Weißte, Gisela…
eigentlisch leben wir gar nisch. Wir sind Kunstfigurn in einer
Scheinwelt, gemeinsam mit andern Kunstfigurn. Un wir werdn
alle gespielt vom selbn Spaßvogel, der uns erfundn hat!
Sogar du!“
Horst grinste zur Seite und blickte direkt in Giselas schockiert
aufgerissene Augen.
„Was? Schätzelein, mach disch nisch verrückt, dat war doch
nur Spaß!“

© by Tina

Die Namensgeber

„Horst, das ist doch nicht wahr! Du solltest ERNSTGEMEINTE
Namensvorschläge für die Charaktere meiner Hörbücher
aufschreiben!“
„Aber Hape, meine Vorschläge sin ernsthaft!“
„Klar, Horst! Wanda Lismus, Witta Mine, Claire Werk,
Axel Schweiß, Peter Silie und Lilli Putaner! Tolle Vorschläge!“
„Warum haste misch überhaupt jefragt, wenn dir nix
Rescht is?!“
„Aber dein allerSCHLIMMSTER Vorschlag war Theo Dorant!“
„Vielleisch… Frank Reich??“
„Mann! Lass den Unsinn!“
Horst grunzte „Schön! Wenn dir nix passt, mach's doch selbst!
Un guck ma hinter disch! Eine deiner blöden Katzenviescher hat
ne Pfütze hinterlassen, jetz kannste aufm Boden rumkriechen
wie ne Krabbe!“
„Pfütze und Krabbe... DAS IST ES!“

© by Tina

Die Namensgeber 2

Wenig später schlich Horst in Hapes Arbeitszimmer und nahm
einen Zettel vom Schreibtisch:
„Mal sehen, wat der so für Vorschläge hatte...“
Horsts Grinsen wurde mit jedem gelesenen Namen breiter.
„Jens Eits, Rod Weiler, Marga Sucht, Marion Äse, Heinz Elmann,
Lotte Rie! Aber misch auslachen, ne!“
Er ging zu Hape und hielt ihm den Zettel unter die Nase.
„Du musst reden!“, grunzte er. Er warf einen Blick auf den Zettel
und höhnte: „Edi Kett! Isch bitte disch!“
Hape entriss ihm wütend das Blatt.
„Sagt gerade der Richtige! Wärst du mein Vater, wäre mein
Name wohl Hape Diküre, Hape Gasus oder Hape King!“

© by Tina

Dri-Dra-Drabble

Gisela saß an ihrem Tisch und schrieb eifrig.
„Wenn’s an Silvester schneit, ist das neue Jahr nicht weit.“
Wolfgang sah ihr misstrauisch über die Schulter.
„Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht
auf Morgen.“
Wolfgang kniff die Brauen zusammen.
„Auf der Mauer, auf der Lauer, sitzt ne kleine Wanze.“
Wolfgang biss sich auf die Unterlippe.
„Die Katze tritt die Treppe krumm, der Kater wieder grade.“
Gisela drehte sich um und strahlte Wolfgang an.
„Findest du auch, dass isch Talent hab?“
Wolfgang ballte die Faust.
„Gisela, ich habe dir schon 1000mal erklärt, dass ein Drabble
100 Wörter hat, nicht 10!“

© by Tina

Ein Notfall

Uschis Manager ging ans Handy. „Ja?“
„Ich bin's...“, erwiderte Uschi. Sie hörte sich panisch an.
„Was ist los? Wo bist du?“
„Es... ist schrecklich! Ich bin völlig hilflos und hier ist
niemand! Ich muss hier weg, alle warten!“
„Was? Was ist passiert??“
„Du musst herkommen, bitte!“
Wenig später rannte er durch die Flure des Fernsehstudios.
Er öffnete eine Tür und hörte schon Uschis Stimme.
„Bist du das? Gott sei Dank, du bist hier!“
„Ich bin's...“
Uschis Manager trat näher, bückte sich und rollte die
mitgebrachte Rolle Klopapier unter der verschlossenen
Kabinentür des Damenklos durch. „Nächstes Mal nimmst
du Taschentücher mit!“


© by Tina

Enthüllungen

Horst Schlämmer stand vor dem Spiegel und war rot bis an die
Ohrläppchen. „Nää, isch komm so nisch ausm Badezimmer!“
„Stell disch nisch so an!“, forderte Gisela.
„Aber isch bin nackisch! Völlig nackisch!“
„Wie vereinbart!“
„Aber isch… na gut, Schätzelein.“
Horst trat hinaus, nicht jedoch, ohne seine Blöße mit der Hand
zu bedecken.
„Jetzt nimm die Hand weg! Ich möchte es sehen!“
„Niemals! Dat geht nur misch wat an!“
„Hör mal, Horst! Mir reicht et jetzt!“ Gisela packte Horsts
Handgelenk und riss es beiseite. Sie grinste.
„Was hast du denn? Ohne den albernen Schnurrbart siehst
du viel besser aus, wirklisch!“

© by Tina

Es geht los!

Uschi erstarrte in heller Panik. Sie griff sich an den Unterleib
und spürte, wie Schweiß ihre Stirn hinabrann. Es war so weit!
Die krampfartigen Schmerzen umnebelten ihre Sinne.
Wimmernd sackte sie zu Boden und das heftige Reißen in ihren
Eingeweiden wurde schlimmer. Wieso hatte sie nicht besser
aufpassen können!
„Es passiert! Ich brauche einen Krankenwagen! Oder jemand
muss mich ins Krankenhaus fahren, schnell!“
Sie blickte zu ihrem Manager, der missbilligend den
Kopf schüttelte.
„Du bist die Einzige, die sich wegen so etwas so anstellt!“
„Was soll ich denn machen?“, jammerte Uschi.
„Ich krieg immer solche Blähungen, wenn ich Shrimps esse!“

© by Tina

Heulsuse

Gisela heulte Rotz und Wasser. Sie hielt sich ein Taschentuch
vors Gesicht und schluchzte hemmungslos. Die Tränen liefen
in Sturzbächen ihre Wangen hinab. Aus verschleierten Augen
blickte sie auf die fröhlichen Menschen um sich herum. Sie
sahen sie an. Besorgt und verwirrt. Auch Gisela war verwirrt,
doch was blieb ihr Anderes übrig? Geräuschvoll zog sie die
Nase hoch und ließ ihren Tränen weiterhin freien Lauf. Aus
der Nähe hörte sie Horsts Stimme.
„Hier Hase, isch hab dir ein Glas Federweißer mitjebracht,...
Gisela?? Wat is los??“
Schniefend blinzelte Gisela ihn an. „Wieso? Du has doch
jesacht, dat hier wäre ein Weinfest!“

© by Tina

Hund oder Katze?

„Hm...Hund oder Katze, was findest du besser, Gisela?“
„Keins grad, Wolfgang… stör misch nisch, isch bin am Putzen!“
„Aber… Hunde sind so anhänglich und treu…“
„Na, warum fragste dann?“
„Katzen wiederum sind unabhängig und geheimnisvoll…“
„Lös dat Problem allein!!“
„Hunde stehen für Macht und Männlichkeit…“
„…“
„Katzen aber wurden sogar im alten Ägypten als
Göttinnen verehrt…“
„Wolfgang! Isch sach et dir zum letzten Mal! NERV misch
damit nisch! Isch kann jetz weder dat eine noch dat
andere gebrauchen!“
„Schön…“, schnappte Wolfgang. „Dann musst du mit der rosa
Hasenpower-Bettwäsche vorlieb nehmen, wenn dir die mit
Hunden und Katzen nicht passen…“

© by Tina

In flagranti

Wolfgang schloss seine und Giselas gemeinsame Wohnung
auf und hörte Stimmen aus dem Schlafzimmer.
„So is jut, Horst, genau da!“
Er ließ seine Sachen fallen und lauschte an der Tür.
„Mh, ein bisschen tiefer! Oh! Da ist’s jut, ja!“
Wut schäumte in ihm auf. Wie konnte Gisela nur so dreist sein!
In ihrer Wohnung! Mit diesem Schlämmer!
Er hörte unterdrücktes Kichern.
„Wenn Wolfgang wüsste….“
Besagter stieß polternd die Tür auf. „Ich weiß davon!
Verschwindet! Sof….“
Er verstummte und starrte auf Horst, der ein Bild und einen
Hammer in der Hand hielt.
„Tschuldige…“, schnappte Gisela. „Isch dachte, vielleicht
magst du Picasso.“


© by Tina

Mit oder ohne?

„Mit oder ohne, wat ist dir lieber, Schätzelein?“, fragte Horst.
„Lieber mit. Sicher ist sicher.“
„Isch fühl mich aber ohne wohler! Dat ist ein so
beklemmendes Gefühl…“
„Schau mal, die gibt’s in so vielen verschiedenen Farben.“
„Nä, isch hab dat noch nie jemocht...“
„Die fühlen sich wirklich angenehm an, versuch's mal, ich
helfe dir auch beim Anziehen.“
„Und wenn ich’s kaputt mach?“
„Jetzt hör aber auf, die sind reißfest!“
„Nä, isch lass et lieber…“
Der Stylistin riss langsam der Geduldsfaden. „Horst, tu was
du nicht lassen kannst! Ist ja dein Problem, wenn du beim
Kanzlerduell der Einzige ohne Krawatte bist!“

© by Tina

Pokerface

Schwitzend blickte Gisela von ihren Karten auf in das
unbewegliche Gesicht ihres Gegenübers. Es fiel ihr
außerordentlich schwer, Horsts eisernem Blick standzuhalten.
„Nervös, Schätzelein? Zu hoher Einsatz?“
Gisela schüttelte den Kopf. „Nein. Isch… bin die
Ruhe selbst!“
Ein Grunzen entwich Horsts Kehle, als er die letzte
Karte auf dem Tisch umdrehte.
„Also, isch will sehen.“
Gisela seufzte und verkündete: „ Isch hab nen Flush!“
Horst erwiderte: „Full House, dat is schade für
disch, Hase!“
Schluckend stand Gisela auf, ohne den Blick von
Horst zu nehmen.
„Jetz mach schon!“, forderte Horst spuckend.
„Isch hab et satt, als einziger völlig nackisch zu sein!“

© by Tina

So einfach ist das...

Wolfgang saß auf der Couch und beobachtete Gisela,
die schon seit Stunden in einem Buch las.
„Leg doch mal den Schinken weg, mir ist langweilig.“
„Nimm dir doch auch ein Buch! Sei nisch so faul!“
„Ich bin nicht faul, ich arbeite so schnell, dass ich
immer fertig bin…“
Gisela sah ihn tadelnd an und las weiter.
Wolfgang trat hinter sie und sah ihr über die Schulter.
„Wie man eine dreistöckige Melonentorte mit ganzen
Früchten macht?? Warum beschäftigst du dich immer
mit sowas Kompliziertem? Nimm dir doch mal
was Einfaches vor!“
Gisela grinste zuckersüß. „Aber Schatz, dafür hab
isch doch disch.“

© by Tina

Stille

Gisela und Horst saßen sich gegenüber auf einfachen
Holzstühlen in einem grauen, kahlen Raum.
Sie starrten betreten auf den Boden. Keiner von beiden
sagte ein Wort. Die Stille war bedrückend und
nervenaufreibend zugleich. Im Nebenzimmer tickte
eine Uhr. Gisela trommelte nervös mit den Fingern auf
ihrer Stuhllehne. Schließlich hielt er Horst es nicht
mehr aus und sprang mit einem Satz auf.
„Wat machste?“, fragte Gisela.
„Schluss damit, dat is mir zu blöd!“ Er drehte sich um.
„Liebe Leser, bitte gebt uns nisch die Schuld an dieser
Langeweile! Wir können nix dafür, dass Tina heute
keine Zeit für ein Drabble hat!“

© by Tina

Wahre Liebe

Gisela stand mit leuchtenden Augen im Wilddieb und
lauschte den himmlischen Worten von Horst, der ihr
den Rücken zuwandte.
„Du Tiger, du wilder Hase, du bist escht scharf. Du bist dat
Wundervollste, dat je seinen Fuß in diese Kneipe jesetzt hat!“
Gisela traute ihren Ohren kaum. Von Wolfgang hatte sie
solche Worte lange nicht gehört.
„An disch kommt keiner ran, du bist abgöttisch jebaut!“
Gisela seufzte. „Hör auf, du machst misch verlegen!“
Horst drehte sich erschrocken um. „Wat haste jesacht? Isch
hab disch gar nich kommen hören. Aber isch muss disch
loben. War ne tolle Idee, diesen Spiegel hier aufzuhängen!“

© by Tina

Zahlensalat

„Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun, zehn…“
Gisela runzelte die Stirn und musterte Horst, der eifrig an
seinen Fingern zählte.
„Vierundzwanzisch, Fünfundzwanzisch, Sechsundzwanzisch…“
„Wat machst du denn da?“, fragte Gisela.
„Psst, stör misch jetz nisch… Neununddreißisch,
Vierzisch, Einundvierzisch…“
Gisela hörte ihm verwirrt zu und beobachtete den schwitzenden
stellvertretenden Chefredakteur, dem in seiner Konzentration
Schweiß auf der Stirn stand.
„Zweiundsechzisch, Dreiundsechzisch, Vierundsechzisch,
Fünfundsechzisch… warte isch habs gleich…
Siebzisch, Einundsiebzisch…“
Gisela hob ihre Augenbrauen.
„Aber du zählst doch völlisch falsch!“ - „Mach isch nisch!“,
antwortete Horst.
„Wo war isch? Neunzisch, Einundneunzisch,
Zweiundneunzisch… So und jetz sind es
endlich Einhundert Wörter!“

© by Tina

Drei kleine Worte...

„De Wichtigste is, dass Sie aufenander zugehe, gegen-
seitig zuhöre und wisse, was de andere für Wünsche hat!“
Evje saß Wolfgang und Gisela gegenüber. Während
Wolfgang zu Boden starrte mit leicht roten Wangen –
peinlich diese Eheberatung! - hatte Gisela Evjes Praxis-
katze auf den Arm genommen und kraulte sie abwesend.
„Also“, fuhr Evje fort, „ich will, dass Sie jetzt irgenetwas
Nettes zuenander sage!“
Gisela tat, als habe sie nichts gehört, stattdessen flüsterte
sie der Katze etwas zu: „Du Süße, isch liebe disch!“
Evje war entrüstet: „Aber Gisela! Was is mit de Wolfgang?“
Gisela sah auf: „Wat? Achja... Kätzchen, der Wolfgang
liebt disch auch!“


© by Tina

Verfolgungswahn

Gisela kauerte sich tiefer in ihr Versteck. Ihr Atem ging
rasselnd, ihre Hände zitterten. Krampfhaft klammerten sich
ihre Finger ineinander und sie beobachtete durch einen
Spalt, wie der Mann näher kam, mit wild entschlossenem
Blick und verzerrtem Mund. Da! Jetzt konnte sie ihn schon
ganz nahe hören, gefährlich nahe. Im gleichen Takt seiner
Schritte schlug ihr eigenes, panisches Herz.
„Lass ihn vorbei gehen, lass ihn mich nicht sehen!“, bat sie
innerlich. Doch zu spät! Der Mann trat genau vor ihr Versteck,
riss den Vorhang zur Seite und funkelte sie an.
„Hab disch, Schätzelein! Du bist dran mit Suchen!“, rief Horst.

© by Tina

Erwartungsvoll

Horst Schlämmer stand im Foyer eines Kinos und schwitzte.
Soeben hatte er die Gäste bei der x-ten Premiere heute begrüßt
und wusste nicht einmal genau, wo er sich befand. Horst war
erschöpft und wollte nur noch nach Hause. Da kam plötzlich
eine große gutaussehende Frau zielsicher auf ihn zu. Sie blieb
vor ihm stehen und schaute ihn eindringlich an. Horst dachte:
Oh Hase, isch bin eigentlisch fix und fertig heute. Wohin willst
du mit mir gehen?“
Mit einer überaus betörenden Stimme sprach sie ihn an:
Horst, würden Sie bitte einen Schritt zur Seite treten, Sie
stehen genau vor der Toilettentür.“

© by Jana

Besser nach der Therapie?

Evje van Dampen saß dem Paar stirnrunzelnd gegenüber.
„Warum?“
„Ich guck anjeblich nur Fußball und sie müsse alles machn,
da hab ich ihr eine...“
„Mit dem Zollschtock! Isch konnte nimmer sitze!“
„Sie müsse beide was tun. Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit!“
versuchte Evje zu vermitteln und gab ihnen noch viele
Ratschläge. Nach drei Wochen wollte die Paartherapeutin sie
einmal besuchen. Draußen hörte sie eine kreischende
Frauenstimme und klingelte besorgt. Der Mann öffnete und
verbarg etwas Längliches hinterm Rücken.
„Nicht was Sie denkn. Meine Frau jubelt über´s 1:0 und holt
sich´n Bier aus´m Keller.“ In der Hand hielt er eine Spülbürste.

© by Jana

Gekocht und backen?

Hannilein saß inmitten eines Berges aus kunterbunten
Spielzeugautos. Soeben ließ er ein rotes gegen ein
grünes krachen und freute sich unbändig. Seine Mutti
trat ins Kinderzimmer.
Spielst du gerade?
Siehste doch.
Ich wollte eigentlich einen Käsekuchen backen.
Au fein, der schmeckt mir am liebsten!
Ich brauche aber noch Eier zum backen. Schatz, kaufst
du bitte schnell welche dafür?

Mit einigen Gummibärchen als Belohnung im Mund trabte
Hannilein ziemlich lustlos davon. Etwas später tauchte er
wieder auf und drückte seiner verdutzten Mutti
Wechselgeld und Eierpackung in die Hände.
Mit den Worten:
Ich habe nur gefärbte Eier gefunden
verschwand Hannilein im Kinderzimmer.


© by Jana

Das Parfum

Uschi stand in der Warteschlange hinter einem Mann,
der ihr den Rücken zuwandte. Die Sängerin war
hingerissen. Von dem Duft, den dieser Mann verströmte.
Ein wirklich gutes Parfum. So herb und männlich.
Mit einer leicht bitteren Note und dem betörenden
Geruch nach Leben. Nach Leidenschaft.
Für Uschi war der Duft so perfekt, dass sie sich am
Liebsten auf ihn gestürzt und ihm das Parfum mit der
Nase vom Körper gesogen hätte.
„Verdammt!“, rief sie, „welches Parfum tragen Sie da?
Das riecht wirklich...“, sie schluckte und flüsterte
heiser: „umwerfend!“
Verdutzt wandte Horst Schlämmer seinen Kopf.
„Parfum? Schatz, isch trage nie Parfum…“


© by Tina

Eine Sache der Gewohnheit

„Was, Sie sin in MEINE Behandlungszimmer eingebroche
un habe MEINE Unterlage über de Therapiegespräch mit
Alexandra Kamp gestohle??“, Evje stand kopfschüttelnd
vor Horst Schlämmer, der von einem Polizisten gerade in
Handschellen gelegt wurde.
„Tschuldigung, Frau, wie heißen Se noch? Van Dampfen,
...aber die Kamp, die is so'n scharfer Hase... boah, isch
glaub langsam, die is so ne, so ne..... Nymphomaniatin
oder sowat, dat wollt isch halt nachprüfen! Sie wissen
dat doch!“
„Also wirklich, das is unglaublich! Einfach eingebroche!
Dass Sie sich überhaupt traue, mir in de Gesicht zu sehe!“
Horst grinste bösartig. „Ach wissen Se, man jewöhnt
sisch an alles...“

© by Tina

Eine Sache der Gewohnheit 2

„Was hast du dir dabei gedacht?“
Alexandra stand vor Horsts U-Haft-Zelle und funkelte ihn an.
„Meine Unterlagen gehen dich nichts an!“
Horst grunzte und schwieg.
„Ich dachte, du wärst mein Traummann und jetzt sowas!“
„Hase, isch wollt nur wissen, ob du ne Perverse bist!“,
platzte Horst hervor. Er schien sein Verhalten okay zu
finden, was Alexandra noch mehr aufregte.
„Du bist unmöglich!“
„Dat sagen die Anderen auch immer!“
Alexandra verschränkte die Arme. „Ich hab immer zu dir
gehalten, obwohl alle gesagt haben, du wärst widerlich!
Ich dachte nie, dass ich dich hassen könnte, aber scheinbar
gewöhnt man sich an alles!“


© by Tina

Eine Sache der Gewohnheit 3

Einige Wochen später – Horst war wieder auf freiem Fuß – lief
Alexandra gerade die Straße entlang, als sie diesen erblickte,
wie er sich auf einer Bank sitzend gerade eine Bratwurst ein-
verleibte. Mit verschränkten Armen pfiff sie durch die Zähne.
„Ach, wen haben wir denn da!“
Horst blickte kauend auf.
„Alekschandra?“, nuschelte er und schluckte.
„Ja! Wie läuft das Strafverfahren?“
„Wurde einjestellt!“, grinste Horst.
„Verstehe...“, Alexandra wandte sich zum Gehen.
„Warte! Schätzelein, hasst du misch immer noch?“
„Was interessiert's dich, du hältst mich doch für pervers!“
„Naja...“, Horst blickte zu Boden. „Et jibt Dinge, an die will
man sisch gar nisch gewöhnen...“

© by Tina

Eine Sache der Gewohnheit 4

Alexandra packte Horst an der Schulter.
„Wie war das eben??“, fragte sie.
„Biste taub, Schätzelein?“
„Nein! Aber ich glaubs einfach nicht! War das grade ein
Eingeständnis, dass du mich magst?“
Horst grunzte.
„Ich habe die Rätsel, die du mir aufgibst, endgültig satt!
Was willst überhaupt von mir? Drück dich klar aus oder
lass mich zufrieden!“
Horst sah auf. Ein Plan erschien in seinen Augen. Mit einem
Satz sprang er von der Bank, umfasste Alexandras Hüften und
drückte seinen Mund auf ihren. Nach einer Weile löste er
sich von ihr und grinste sie an: „Also daran… könnte isch
mich escht jewöhnen…“


© by Tina

Wilde Anmache

Gisela zögerte einen Moment. Dann gab sie sich einen Ruck und
drückte auf den Klingelknopf. Fast in demselben Moment öffnete
Horst von innen die Tür. Er sah lüstern auf seine Besucherin:
“Schätzelein, da bist du ja.“
„Ähm, ja, aber isch weiss nischt, ob das eine gute Idee war.“
„Aber ja Schätzelein. Es wird ein unvergesslischer Abend.“
Zu fortgeschrittener Stunde:
„Schätzelein, isch mach disch jetzt an! Du kannst nichts dagegen
tun. Isch bin ein Anmacher und Aufreißer . Weisse. Wehre disch
lieber nischt länger!“
Gisela kam aus dem Bad.
„Bitte???“
„Isch will diese Kerze anmachen, aber die Streichholzpackung
lässt sich nischt aufreißen.“


© by Jana

Zeitproblem

„Wolfgang is auf Kur...“
Gisela saß auf der Couch und wickelte sich das Telefonkabel um
den Zeigefinger.
„Der kommt erst heut Nacht wieder, wenn du später noch
vorbeikommen willst...!“
Sie kicherte. Wolfgang schloss die Haustür auf. Als er Giselas
Stimme hörte, lauschte er an der Wohnzimmertür. Entsetzen
spiegelte sich auf seinem Gesicht, als er Fetzen des Telefon-
gesprächs aufschnappte:
„Sischer mag isch Rosen. Auf meiner Bettwäsche sind welche,
soll isch's dir nachher zeigen??“
Wolfgang ließ seine Kurtasche fallen und stieß die Tür auf.
„Was geht hier vor??“, rief er.
Gisela sah ihn verdattert an, dann fasste sie sich:
„Offensischtlisch deine Uhr!“


© by Tina

Ansichtssache

„Habe Sie de Dialog, de Sie führe sollte, aufgeschriebe?“, fragte
Evje Wolfgang und Gisela. Wortlos reichte Gisela Evje einen
Zettel, auf dem stand:
Gisela: „Ich hab so lange auf diesen Moment gewartet!“
Wolfgang:„Wärst du traurig, wenn ich dich verließe?“
Gisela: „Klar, was denkst du denn?!“
Wolfgang: „Gibt es Männer, die du lieber hast als mich?“
Gisela: „Nein, auf keinen Fall!“
Wolfgang: „Gut, ich würde sagen, wir lieben uns noch!“
„Na, das klingt doch gar nisch so übel!“, rief Evje erfreut,
„Sie mache Fortschritte in Ihrer Ehe!“
Gisela runzelte die Stirn: „Wirklisch?! Sie müssen dat von
unten nach oben lesen!“

© by Tina

Die Dompteuse

Evje van Dampen sah auf den furchtsamen Mann in ihrer Praxis.
Sie müsse Ihre Frau auch sage, dass Sie sie liebe,
dass Sie verrückt nach sie sind. Sie sind eine Tiger.
Was sind Sie?“, fragte Evje.
Isch... bin ein... Tiger.“
So sagt das eine kleine zahme Katerchen. Was sind Sie?“
Ich bin ein Tiger.“
Seie Sie wild, entschlossen, leidenschaftlich!“
ICH BIN EIN TIGER.“
Lauter, lassen Sie ihn raus!!!“
ICH BIN EIN TIGER!!!!“
Förmlich schnaubend vor Entschlossenheit stürmte Wolfgang
nach Hause, schloss die Tür auf und holte tief Luft.
Von drinnen krähte es:
WOLFGANG???! KOMMST DU ENDLICH???!!“
Ja..., Gisela..., isch komme.“

© by Jana

Gentleman

An der Tür des „Wilddiebes“ hing ein Schild:
„Geschlossen wegen Umräumarbeiten!“
Wütend klopfte Horst. Erst nach fünf Minuten öffnete jemand.
„Verdammt, können Sie nicht lesen, hier steht... Horst!
Wie passend! Du kannst helfen, die neuen Möbel zu schleppen!“
Horst grunzte: „Hätt isch dat jewusst, hätt isch misch
daheim besoffen...“
Dennoch ließ er sich hineinziehen. Drinnen waren mehrere Leute
dabei, die schweren Barhocker vor die Theke zu befördern,
darunter Gisela, die sich verzweifelt bemühte, zwei Hocker
gleichzeitig zu tragen.
„Schätzelein, so geht dat nisch!“, rief Horst.
Ein dankbarer Ausdruck erschien auf Giselas verschwitztem
Gesicht. Wie hilfsbereit!
„Wieso jehst du nisch zweimal!“


© by Tina

Polizeikontrolle

Nach einer durchzechten Nacht fuhr Horst mit dem Auto nach
Hause. Seine Schlangenlinien blieben nicht unbeobachtet. Bald
schon wurde er von einer hübschen Politesse herausgewunken.
„N'Abend! Bitte mal blasen!“ Sie hielt ihm ein Testgerät hin.
„Hase, dat geht nisch, isch hab Schnappatmung!“
„Gut, dann steigen Sie bitte aus und gehen in einer
geraden Linie!“
„Dat geht auch nisch! Isch habe Füße!“
„Dann bleibt uns nichts Anderes übrig als ein Bluttest!“
„Um Jottes Willen! Schatz, isch habe Kreislauf!“
„Bitte!“ Die Politesse verlor die Geduld.
„Dann fahren wir jetzt zur Wache!“
„Jut.“ Horst stieg aus. „Aber Sie müssen fahren,
isch bin besoffen!“


© by Tina

Verriß durch den Literaturkritiker

Horst Schlämmer blickte schnappatmend auf seinen Gegenüber,
einen kleinen alten Mann, der ihn aus zusammengekniffenen
Augen durch dicke Brillengläser musterte und lautstark rief:
Waasß iisßt daasß denn bittescheen? Mirr wollen Sßie erzählen,
daasß Sßie ein Buch geschrrieben haben? Daasß iisßt kein Buch,
daasß iisßt ein Geschrreibsel übelsßter Arrt!“
Also, Herr Reich-Kritiki, isch bin stellvertretender Chefredakteur
vom Grevenbroicher Tagblatt. Isch weiss, was isch schreibe.
Und dat ist sehr wohl ein Buch! Ein sehr hilfreisches sogar!
Weisse Bescheid! Isch werde Nobelpreisträger damit, für
Literatur und Medizin gleischzeitig.“
Mit diesßem Werrk etwa? Wie sßoll dasß heisßen?“
Wie der Doornkaat den Kreislauf besiegt.“

© by Jana

Schwarz auf Weiß

Alexandra Kamps Handy klingelte. „Ja?“
„Jetz hab isch et schwarz auf weiß! Du machst doch überall inner
Gegend rum!“
„Was? Horst, bist du's?!“
„Sischer bin isch dat!“ Horst sprach so erregt, dass Alexandra
ihn kaum verstand.
„Wie kommst du darauf, Horst? Das stimmt nicht!“
„Natürlisch! Isch komm grad vom Arzt, du hast dieses
Lippendings nisch von mir, isch bin gesund!“
„Hallo?? Natürlich hab ich die Syphilis von dir! Woher sonst!!“
Alexandra wurde langsam wütend.
„Was hat der Arzt genau gesagt?“
„Der hat jesacht, der Test war positiv! Dat heißt, der war jut,
für alle am Thema Intellijenz als Außenstehende Beteilischten!“


© by Tina

Verflüchtigt

Noch immer saß Horst Schlämmer auf dem Polizeirevier.
„Schätzelein, jestern, dat war jar nicht jut. Sagte der Chef, es
würde Veränderungen jeben für misch. Hab isch jedacht, isch
werd endlisch Chefredakteur. Pustekuchen, isch hab´n halbet
Jahr Innendienst. Und wejen Kreislauf brauchtisch´n Doornkaat.
War wirklich nicht viel, wirste sehen bei dat Erjebnis.“
Der Polizeiarzt betrat den Raum.
„Herr Schlämmer, ich muss Ihnen leider nochmal Blut abnehmen
zur Alkoholbestimmung.“
„Wat? Sie ham misch jenuch jepiekt.“
„Tut mir leid, die erste Probe ist weg.“
„Wat habt ihr mit die Probe jemacht?“
„Nichts, aber bevor wir sie analysieren konnten, ist sie
schlichtweg verdunstet.“


© by Jana

Am nächsten Morgen

Horst Schlämmer schnaufte gereizt in den Telefonhörer:
„Isch fahr da jetzt nischt hin, auf keinen Fall. Isch kann nischt,
isch hab`n Kater. Beim Karnickelzüchterverein jibts keine heiße
Story, nischt um sieben Uhr morgens. Weisse Bescheid. In die
Redaktion komme isch später. Isch hab halt`n Kater heute, na
und? Dat kommt in die besten Familien vor. Und dass mir keine
blöden Kommentare kommen dann, wenn isch wieder inne
Redaktion bin.“
Er knallte den Hörer wuchtig auf. Horst hockte sich auf den
Boden und schnurrte förmlich:
„Na Peterle, isch geb dir jetzt`n Schälchen Milsch und dann
teilen wir beide uns mein Mettbrötschen.“

© by Jana

Pöbeleien

Gisela hatte Wolfgang überredet, spazieren zu gehen. Als sie an
einigen Jugendlichen vorbeiliefen, fingen diese an zu spotten:
„Igitt, dass sowas Hässliches sich überhaupt vor die Tür traut!“
Gisela stieß Wolfgang an.
„Siehste, isch hab doch jesacht, du sollst nisch unrasiert un in
deinen ältesten Hosen rumlaufen!“
Wolfgang sah beschämt zu Boden, während die Jugendlichen
höhnten: „Hey du? Gegen nen Brückenpfeiler gelaufen?!“
Gisela sah Wolfgang kopfschüttelnd an. Einer der Jugendlichen
schlenderte herüber und stieß Wolfgang an.
„Alter, an deiner Stelle würd ich mich mit ner Gesichtsbaracke
wie der da nich vor die Tür trauen!“
Er zeigte auf die perplexe Gisela...


© by Tina

Auf frischer Tat

Diesmal arbeitete er allein. Er wollte seinen Erfolg mit
niemandem teilen. Zu oft schon war er leer ausgegangen.
Seinen Plan hatte er tausendmal durchdacht und alles
einkalkuliert. Vor allem sollte ihm heute kein weibliches
Wesen dazwischenfunken.
Die Wohnung hatte er lautstark verlassen, dass jeder
bemerkt haben musste: ER war nicht da.
Ganz heimlich war er zurückgekehrt, hatte gewartet, bis
alles still war. Dann schlich er lauschend durch alle Räume,
bis er das Objekt seiner Begierde endlich sah.
Siegestrunken grunzte er leise. Triumphierend streckte er
die Hand aus. Jedoch:
Hab ich's doch jewusst, dat du der Übeltäter anne
Gummibärschentüte bist, Hannilein!“

© by Jana

Leidensgeschichten

Gisela stöhnte. Sie hatte gewusst, dass es dumm war, Horst
und Wolfgang zusammenzubringen. Die redeten seit Stunden
nur über Krankheiten!
„Die Massagen waren angenehm, aber ansonsten! Nächstes
Mal fahr ich woanders hin auf Kur...“, sagte Wolfgang.
Horst grunzte: „Vielleisch muss isch auch ma auf Kur. Isch
habe Rücken, Kreislauf und Füße, weisse...“
Wolfgang nickte mitfühlend.
„Gehen wir in den Garten?“, fragte Gisela, doch keiner beachtete
sie. So ging das minutenlang, ehe Gisela genug hatte.
„Isch bin auch krank!“, rief sie.
Die Männer drehten sich interessiert um.
„Isch hab Tinnitus aufn Augen! Isch seh nämlisch nur Pfeifen!“
Wütend ging sie hinaus.


© by Tina

Zickereien

Gisela und Uschi Blum standen sich wutschnaubend gegenüber.
Sichtlich unwohl, stand Horst Schlämmer zwischen den Fronten.
Die Frauen taxierten sich mit Blicken, beide berechneten ihre
Chancen. Gisela legte los:
Du sollst nischt immer dazwischenfunken!“
Du willst mir eins auswischen!“ konterte Uschi.
Und du gönnst mir nichts Gutes.“
Horst grinste geschmeichelt.
Isch will auch mal von einem netten Mann umgarnt werden“,
schluchzte Uschi. Voller Vorfreude leckte sich Horst die Lippen.
Du denkst nur an disch!“ kreischte Gisela.
Dass isch nischt lache, du!“ giftete Uschi zurück.
Horst dehnte nervös seinen Kragen.
Beide geiferten gleichzeitig:
Nimm du den Horst. Isch will den nischt, der riescht.

© by Jana

So kurz vorm Erfolg

Uschi Blum stand nervös auf und setzte sich wieder. Es ging um
ihre Zukunft. Dieser Schlagerwettbewerb war vielleicht ihre letzte
Chance. Im Portemonnaie war Ebbe und dort zahlten sie die
Gage cash. Und sie brauchte das Geld dringend.
Da kam der Mann, der ihre Zukunft in der Hand hielt. Sie musste
zu diesem Wettbewerb und er würde darüber entscheiden,
hop oder top.
Uschi schaute so verführerisch wie sie nur konnte und summte
einige Takte ihres letzten Hits, erhob sich und machte einige
Tanzschritte dazu. Würde ihn das beeindrucken?
Dann trat er näher und sagte die magischen Worte:
„Die Fahrkarte bitte.“


© by Jana

Abendunterhaltung

Wolfgang saß zusammengesunken auf seinem Stuhl und starrte
gelangweilt auf die Show, die sich ihm bot.
„Wäre mal eine aufregende Abwechslung!“, hatte Gisela gesagt.
Von wegen! Wolfgang hätte seinen Abend lieber auf seinem
Lieblingsfernsehsessel verbracht und den alten Schwarz-Weiß-
Film angesehen, als hier zu hocken und einer halbnackten Frau
zuzusehen, die sich um eine Stange wickelte! Immer wieder
drehte sie sich und das Publikum jubelte.
Als Wolfgang sich umsah, bemerkte er, dass auch Gisela
begeistert applaudierte. Gisela! Dass ihr sowas gefiel!
Seufzend stand er auf.
„Wat is denn?“, fragte Gisela genervt.
„Ach“, erwiderte Wolfgang, „dieses Reckturnen is einfach
nix für mich!“

© by Tina

Was ist los?

Horst Schlämmer war unruhig. Wie ein Tiger im Käfig lief er hin
und her. Was genau mit ihm los war, konnte er nicht benennen.
Eine ganz ungewisse, existentielle Angst, die er vorher noch nie
gespürt hatte, beschlich ihn plötzlich. Beim Blick in den Spiegel
schaute ihm sein Spiegelbild struppig wie immer entgegen.
Da war nichts Auffälliges. Auch der Doornkaat schmeckte wie
immer, aber auch der nahm ihm seine Furcht nicht.
Vor dem Fernseher setzte Horst das 2. Fläschchen an. Bei den
Promi-News verkündete die Sprecherin das bevorstehende
baldige Ableben eines Grevenbroicher Lokalreporters.
Horst fiel die Flasche aus der kraftlosen Hand…


© by Jana

Was ist los? Teil 2

Horst schüttelte sich. Die Starre, die ihn vorübergehend befallen
hatte, wich von ihm und er erhob sich.
„Wat will die? Isch leb nischt ab, dat jeht nischt. Isch hab
schließlisch Leserschaft“.
Stirnrunzelnd sah er auf das Doornkaatfläschchen am Boden,
hob es auf - leider leer. „Titschen tu isch dat nischt“, mit einem
Lappen wischte er den ausgelaufenen Doornkaat weg. Voller
Tatendrang setzte er sich an seinen Computer. Ihm schwebte
ein Fortsetzungsroman vor. „Die Leser werden täglisch um ne
weitere Folge betteln. Misch kriegt keiner tot“, knurrte Horst.
Munter hieb er in seine Tastatur:
„…wurde ein gemieteter Killer auf Horst Schlämmer angesetzt...“

© by Jana

Horsts Abschied

Geschockt stand Gisela vor Horsts Büro. Namenlos war ihr
Entsetzen, ausgelöst durch das Schild, welches an Horsts
verschlossener Türe hing:

Horst Schlämmer
R.I.P.

Gisela schlug eine Hand vor den Mund und begann zu weinen.
Horst sollte tot sein? Wieso erfuhr sie es auf diese Weise? Sie
lehnte sich heulend gegen die Tür. Ulle, Horsts Praktikant, lief
vorbei und stoppte verdutzt.
„Gisela? Du hier? Was ist los?“
Sie deutete auf das Schild. „Horst is tot?!“, schluchzte sie.
Ulle bekam große Augen, starrte das Schild an und begriff.
Er lachte laut. „Ach! Das hat er selber geschrieben! Horst
Schlämmer: Reporter in Pause!“


© by Tina

Eine Frage der Präposition

„Sie habe sich weit vonenande entfernt.“ Energisch sprach
Evje van Dampen auf Gisela und Wolfgang ein.
„Sie müsse sich gegeseitig sage, dass Sie sich liebe.“
Die verdutzte Gisela war zuerst dran.
„Also isch möschte das nischt… hier sagen.“
Sie dachte:´Wolfgang wird das niemals aussprechen.`
Mit tadelndem Blick auf Gisela forderte Evje nun den
verängstigten Wolfgang auf.
„Sage Sie es.“
„…isch…lieb…disch“, stotterte Wolfgang.
Hinter Giselas Augenlidern prickelte es.
„Schön, aber Sie müsse Ihre Gattin auf die Arme nehme dabei.“
Überfordert starrte Wolfgang auf seine ihn anstrahlende, etwas
füllige Frau, ihn schwindelte bei dem Gedanken.
In meine isch, in die Arme.“

© by Jana

Tierisches Missverständnis

„Aaahahahahahaha!“ Gisela hielt sich vor Lachen den Bauch.
Sie zeigte auf Wolfgang und prustete.
„Isch glaubs nisch, dat isch mit sowas verheiratet bin!
Wie Dämlisch!“
Sie wischte eine Lachträne aus ihrem Augenwinkel. Wolfgang
sah beleidigt aus.
„Woher soll ich dat denn wissen?!“
Gisela kicherte: „Isch glaubs nisch, dat du tatsäschlisch
jemeint hast, dat der „No-Bell-Preis“ an Hunde verliehen wird,
die nisch rumkläffen!“
Wolfgang schmollte: „Jaja, lach nur!“
Er überlegte kurz: „Hey, wieso holen wir uns nich einen Hund?“
Gisela sah ihn mit großen Augen an. „Hier dürfen nur Katzen
jehalten werden, im Vertrag steht doch, dat hier wär ein Miezhaus!“

© by Tina

Versprochen ist versprochen

Uschi Blum schnaufte. Es war ihr gleich seltsam vorgekommen,
als er anrief und sie zum Essen einlud, als Dank für ihre
Unterstützung bei seiner Kandidatur. Aber anstatt in einem
schicken Restaurant saß sie nun in seiner verräucherten
Wohnung. Aus der Küche klapperte und klirrte es. Mit einem
„Bitteschön“ stellte Horst das Essen auf den Tisch. Auf einem
Teller wanden sich triefende, frittierte Pommes, vom anderen
grüßte eine kohlig gekräuselte Pizza.
„Am Telefon hast du etwas Besonderes angekündigt“, schniefte
Uschi angewidert mit Blick auf die kulinarischen
Scheußlichkeiten. „Ja, Schätzelein, isch hab dir Wahlessen
versprochen.“ - „Und wo ist denn nun der Wal?“


© by Jana

Zum ersten Mal

Wolfgang war frustriert. Er saß am Tisch und starrte auf seinen
Teller: „Gisela, isch kritisiere disch ja nur ungern.“
Schon diese Aussage machte die Sache spannend. Gisela wurde
aufmerksam. Er deutete eine Kritik an!!! So etwas hatte sie
von ihrem Gatten noch nie gehört.
„Was meinst du, Wolfgang?“ fragte sie irritiert.
„Wo warst du gestern einkaufen?“
„Bei HEUREKA, wie immer“, Gisela runzelte die Stirn.
Wieder schaute Wolfgang auf seinen Teller, holte tief Luft,
überwand seine Schüchternheit und sagte:
„In meiner Mandarine eben waren 17 Kerne. Das Obst hast
du sicher nicht bei HEUREKA gekauft, sondern im Baumarkt,
in der Saatgutabteilung.“

© by Jana

Auf der Therapiecouch

Horst Schlämmer, unerkannt untergetaucht in einer fremden
Stadt, schüttete sein Herz aus:
„Weisse, Frau Dampfen, isch hab Problem, isch brauch
Therapie. Bin isch froh, dasse mir eine Einzelsitzung machst,
wirklisch. Immer wenn isch eine schnucklije Frau seh, kribbelts
mir inne Finger bis unter die Haarspitzen. Isch kann die Hände
nischt von denen lassen.“
„Verstehe, was ist dabei Ihre eigentliche Problem?“,
fragte Evje van Dampen.
„Nie komm isch zur Ruhe, verstehste Schätzelein? Praktisch bin
ich ständig auf Jagd. Warst du jemals auffe Jagd?“
Träumerisch erinnerte sich Evje:
„Ja, ich war einmal auf die Yacht, bei die Udo,
bei die Udo Jürgens.“


© by Jana

Wie Wolfgang Gisela glücklich machen wollte

Bedrückt starrte Gisela durchs Fenster, draußen war alles
weiß-grau, seit Wochen schon. Sie fühlte sich deprimiert.
„Wolfgang, isch halt das nischt mehr aus, isch möschte
Abwechslung! Isch brauch Tapetenwechsel, lebendiges Grün,
oder“, - auf die trüben Wolken draußen blickend- „ein
strahlendes Blau, für uns beide.“
Gisela sah sich in Gedanken weit, weit weg, auf saftigen Wiesen,
unter einem blauen Himmel.
Wolfgang lächelte sie an und lief sofort los. „Buch wat nettes!“
rief Gisela hinterher, jedoch zu leise.
Zurückgekehrt meinte Wolfgang: „Du sagtest vorhin: ´Such wat
nettes´, das hab ich, strahlenderes Blau gab’s nicht.“
Stolz präsentierte er sechs Rollen hellblaue Tapete.


© by Jana

Moskau, Moskau

Immer wieder nickte Uschi Blum während der langen Zugfahrt
ein. Sie fieberte ihrem neuen Erfolg entgegen, selbst im Traum
dachte sie an nichts anderes. „Moskau, Moskau“, murmelte sie
im Schlaf vor sich hin.
Ja! Moskau! Es musste einfach klappen. Moskau sollte ein Erfolg
für sie werden, es allen deutschen Kritikern beweisen.
„Moskau, Moskau“, ununterbrochen, „Russland ist ein schönes…“
ging ihr durch den Sinn.
Mit einem Ruck hielt der Zug, die Bremsen quietschten. Noch
völlig schlaftrunken sah Uschi einen stattlichen Mann auf sich
zu stürzen, der sie überschwänglich begrüßte:
„Herzlich Willkommen in Moskau. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg
mit Ihrem neuen Lied.“


© by Jana

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