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Fanfictions / Copyright
Wer das Hape-Forum kennt, der weiß, dass es bereits seit längerem viele
schöne Fanfictions rund um Hapes Figuren gibt.
Nun haben diese auch den Weg in die HAPEWELT gefunden.
Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen.
Das Copyright der Fanfictions liegt beim jeweiligen Urheber!
Das Wiedersehen
Ein lauer Sommertag neigte sich langsam dem Ende. Der Himmel war klar, nur vereinzelt zog eine kleine Wolke ihre Bahnen, die Vögel sangen und ein Hauch von
Spannung lag in der Luft. Das spürte Horst genau, als er die Straße vor der Redaktion betrat. Es war spät geworden in Grevenbroich. Die Geschäfte hatten
längst schon geschlossen und die Menschen waren auf dem Weg nach hause. Auch der bekannteste Reporter der Stadt wollte sich gerade auf den Weg machen,
aber nicht nach hause sondern zum „Wilddieb“, seiner Stammkneipe.
Dort geht er fast jeden Tag nach Redaktionsschluss hin, denn zu hause war er immer nur alleine. Da fühlte er sich doch recht einsam und wollte vorher erst
noch in netter Gesellschaft sein Herrengedeck trinken. Doch an diesem Abend war es nicht wie immer, denn Horst war ganz aufgeregt, denn er war verabredet.
Vor einer Weile, als er mal wieder einen richtig miesen Tag in der Redaktion verbracht hatte, hatte er abends eine sehr aufregende Begegnung mit einer tollen
Dame gehabt. Und seit dem ging sie ihm nicht mehr aus dem Kopf. Gisela hieß sie und sah verdammt gut aus. Horst hatte sich sofort in sie verliebt, doch wollte
Gisela zuerst nicht auf seine Annäherungsversuche eingehen, denn ihr ging das alles ein bisschen zu schnell. Horst jedoch war sofort Feuer und Flamme für sie.
Nachdem sie ihn hatte sitzen lassen nach seinem Kreislaufkollaps, hatte er seine journalistischen Fähigkeiten eingesetzt und sich daran gemacht, Gisela ausfindig
zu machen. Denn sie hatte ihm ja leider keinen Anhaltspunkt gegeben wo sie genau herkommt, aber aus der Nähe musste es sein. Dafür hatte er ein Gespür.
Und dank einer Personenbeschreibung, die er ins „Grevenbroicher Tagblatt“ gesetzt hatte, hatte Gisela sich bei ihm gemeldet, jedoch nichts ahnend wer sie da
eigentlich sucht.
Gisela war, genau wie Horst, oft allein zu haus, obwohl sie verheiratet ist. Doch
ihr Mann ist nur selten bei ihr, da er oft auf Kur fährt. Und um nicht immer einsam
zu hause zu sitzen, dachte sie sich, doch auf dieses kleine Abenteuer könne sie
sich ja einlassen. Der Wolfgang bekommt es ja sowieso nicht raus. Und nun sollte
sie ihren heimlichen Verehrer kennen lernen. Gisela war bereits im „Wilddieb“
angekommen und wartete gespannt. Sie war viel zu früh dran, denn vor lauter
Neugierde und Aufregung hatte sie es nicht mehr zu hause ausgehalten.
Schick sah sie aus. Sie trug eine rosa Bluse mit passender Hose dazu. Auch ihre
Haare hatten einen ganz leichten roten Schimmer. Unruhig rutschte sie auf
ihrem Hocker hin und her. Vor Aufregung hatte sie sich bei Günni ein kleines
Gläschen Sekt bestellt und nippte nun nervös daran. Alle paar Minuten schaute
sie auf die Uhr, aber die Zeit wollte und wollte nicht vergehen, doch jetzt wartete
sie schon so lange und verlor langsam die Hoffnung, das ihr Date noch kommen
würde. In einer halben Stunde wollte sie gehen, doch so lange wollte sie noch
warten. Dann ging die Tür auf und jemand kam herein, aber ihre Verabredung
schien das auch diesmal nicht zu sein.
Ausgerechnet heute kam Horst später zur Kneipe, weil mal wieder alles schief lief
beim Tagblatt und Horst länger bleiben musste. Er hoffte so, dass Gisela noch
da war und nicht schon wieder gefahren. Beim „Wilddieb“ angekommen machte
Horst voller Erfurcht die Kneipentür auf, und da saß sie...
Genau wie bei ihrem ersten Treffen saß Gisela an der Theke und schaute zur Tür. Als sie Horst hereinkommen sah, wusste sie, dass er ihre Verabredung war.
‚Och nee... nicht dieser aufdringliche Mensch’, dachte sie und verzog das Gesicht. Horst schien das jedoch nicht zu bemerken und säuselte ein „Hallo Schätzelein,
schön, dass du noch da bist“ und küsste ihre Hand. Gisela schaute ganz verdattert drein, denn soviel Höflichkeit hatte sie dem Horst gar nicht zugetraut. Er setzte
sich neben sie und begann sich mit ihr ganz vertraut zu unterhalten, dieses Mal wollte er alles richtig machen und nicht gleich wieder mit der Tür ins Haus fallen
so wie beim letzten Mal. Trotz allem konnte er sich nicht verkneifen, doch ab und an mal wie zufällig ihren Arm zu berühren, was Gisela zwar bemerkte aber nicht
abwehrte. Ganz im Gegenteil. Sie genoss es förmlich endlich mal wieder umgarnt zu werden, denn Wolfgang, ihr Mann, war schon eine ganze Weile nicht mehr
da gewesen. Sie begann dann dem Horst zu erzählen, dass sie jetzt bald im Fernsehen zu sehen sei. Denn sie hatte einen Lieblingskaffee, für den sie werben durfte.
Das machte Gisela unheimlich stolz. Horst hörte ganz gespannt zu und wollte alles ganz genau wissen. Auch er war bereits einmal im Fernsehen gewesen. Bei einer
Quizsendung hatte er mal mitgemacht. „Ich war bei dem Jauch“ sagte er zu Gisela. „Ja, ich erinnere mich, das hab ich auch gesehen.“ Sie war davon ganz begeistert,
besonders davon, dass Horst es geschafft hat, dass Herr Jauch auf den Ratestuhl musste.
Die Zeit verging für die beiden wie im Flug. Gisela schaute auf die Uhr und wurde sichtlich betrübt, denn sie wollte die letzte S-Bahn nach hause noch bekommen und
musste daher gehen. Horst begleitete sie vor die Tür und wusste insgeheim, dass sie wieder zu ihrem Mann zurückkehren würde. Aber er hatte sich wirklich gefreut,
dass Gisela sich die Zeit für ihn genommen hatte und nicht sofort verschwunden war.
„Danke, für den netten Abend“, sagte sie und gab ihm zum Abschied ein kleines Küsschen auf die Wange. Dann verschwand sie in der Nacht. Horst jedoch stand noch
lange vor dem „Wilddieb“ und schaute ihr nach.
© by Dina
Das Meerschweinchen
Es war ein herrlicher Spätsommertag. Die Sonne schien und kaum ein Wölkchen zog über den Himmel. Kinder spielten auf dem nahe gelegenen Spielplatz
und man hörte sie vergnügt toben. Gegenüber dem Spielplatz stand ein großes Mehrfamilienhaus. Es war mit großen roten Backsteinen verklinkert und die große,
grün gestrichene Tür stand sperrangelweit offen.
Ein kleiner Junge saß im kühlen Treppenhaus und machte ein ganz trauriges Gesicht. Er trug eine abgewetzte blaue Latzhose und hatte feuerrotes strubbeliges
kurzes Haar. Vor ihm an der Wand hingen lauter Briefkästen. Für jede Familie im Haus einer. Alle waren genauso grün gestrichen wie die Haustür. Auch der
Hausbesitzer wohnte hier und zu seinem Briefkasten, der unten rechts an der Wand hing, schaute der Junge unentwegt hin. Blutbahnen rannen den Kasten hinunter
und auf dem Fußboden hatte sich schon eine kleine Pfütze gebildet. Oben am Briefschlitz blitze etwas Fell hervor, doch man konnte nicht erkennen was genau es
war. Plötzlich kam ein kleines Mädchen herein gelaufen und setzte sich neben den Jungen auf die Treppe. Sie hatte genauso rote Haare wie er, nur waren ihre zu
zwei Zöpfen zusammen gebunden. Die kleine trug ein rosa Kleidchen, was vom vielen Spielen schon ganz mitgenommen war. Sie musste seine jüngere Schwester
sein, denn sie war etwas kleiner als er und die Ähnlichkeit der beiden war wirklich nicht zu übersehen.
„Hannilein“, sagte sie zu ihm, „jetzt schau nicht so traurig, aber es war
doch schon tot und du wolltest es ja unbedingt da reinstecken.“ Sie deutete
auf den Briefkasten.
„Ich hab das Meerschweinchen aber lieb gehabt“ sagte er sehr traurig. „und die
Mama wird mich sicher verhauen, weil es jetzt tot ist und im Briefkasten vom
Hausbesitzer liegt. Ich trau mich nicht nach oben.“ Betreten schaute er auf seine
Füße. Er musste es aber der Mama sagen, weil die ja immer das Schweinchen
gefüttert hatte und es ihr sonst auffallen würde, dass es nun weg ist. So schlich
er doch nach einiger Zeit ganz leise die Treppe zur Wohnung hoch. Hannilein
betrat die Wohnung und hörte seine Mama in der Küche. Er begann zu rufen:
„Mami, du?“
„Hm?“ sagte die Mami.
„Das Meerschweinchen ist tot“, sagte er ganz betreten. Noch hatte er sich
nicht ganz in die Küche getraut. Aber da die Mami in der Küche mit dem Abwasch
beschäftigt war und laut mit dem Geschirr klapperte, verstand ihn nicht richtig.
„Hm?“
„DAS MEERSCHWEINCHEN IST TOT!“ sagte er mit mehr Ausdruck.
„Willst du ein neues?“ fragte sie dann.
„Nein, das geht ja auch wieder tot“ antwortete Hannilein sehr traurig.
Die Mami stand in ihrer Kittelschürze am Spülbecken und hatte genauso rotes
Haar wie ihre Kinder. Dann sagte sie bestimmt:
„Das Meerschweinchen hat sowieso immer nur gestunken und überall rumgeknabbert.“
„Ich hab das aber lieb gehabt“, meinte Hannilein.
„Geh schön Spielen Schatz!“ versuchte sie ihn zu beruhigen.
Doch dann rückte Hannilein mit der Sprache raus: „Mami holst du das Meerschweinchen?“
„Lass es im Käfig liegen, der Papa gibt’s dann morgen dem Hasso, von Tante Lotti.“
„Und der isst das dann?“ fragte Hannlilein ganz entsetzt.
„Ja, Schatz!“
„Das kann man nicht mehr essen.“ sagte er ganz entrüstet.
„Hm??“
„DAS KANN MAN NICHT MEHR ESSEN!!“
„Ja dann is ja gut,“ meinte die Mami.
„Mami ich bin schuld, dass das Schwein tot ist. Melanie und ich haben um das Meerschweinchen gewettet. Melanie hat gewettet, dass du unser erstes Meerschweinchen in Sommer vom Balkon geschupst hast, weil es pipi in die Blumen gemacht hat.“
„Hat Melanie überhaupt schon seine Hausaufgaben gemacht?“ fragte die Mami leicht böse.
„Jetzt das Meerschweinchen liegt im Briefkasten, beim Hausbesitzer, aber das ging da nicht richtig rein und da hat die Melanie es mit ihr sein Kettcar überfahrn.“
„Macht bloß wieder alles sauber“, schimpfte die Mami.
„Mami, wischt du das weg?“ fragte er ganz kleinlaut.
„Räumt eure Ecke gefälligst alleine auf.“
„Nein, unterm Briefkasten das Blut...“
„Habt ihr schon wieder im Flur gespielt??“ fragte sie ganz entrüstet.
„Wir haben doch nur das Schwein da rein geworfen. Mami, du hast unser erstes Meerschweinchen im Sommer wohl vom Balkon geschupst. Melanie hat mir die Blutflecke aufer Strasse gezeigt. Und da hat sie die Sau gewonnen, weil die brauchte doch ein Unfallopfer für ihr Kettcar.“
Ganz entnervt ging die Mami dann nach einer Weile doch ins Treppenhaus und versuchte alles Mögliche um das Meerschweinchen aus dem Briefkasten wieder
herauszubekommen. Aber so schwer es rein ging, genauso schwer bekam sie es wieder raus. Auch das Blut versuchte sie, so schnell es ging, wieder vom Briefkasten
und Fußboden abzubekommen. Nicht auszudenken was der Hausbesitzer sagen würde, wenn er das hier sehen würde. Das gab noch `ne Menge Ärger für
unser Hannilein, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.
© by Dina
Die Geschichte des Horst S.
Hier soll von einem Mann berichtet werden, der sein sehr prägendes Bild in die deutsche Öffentlichkeit brachte, in das Land der Dichter und Denker. Sein Name ist,
wie kann es anders sein, Horst Schlämmer. Er lebt in einer rheinischen, mittelgroßen Stadt und ist selbst Rheinländer mit Leib und Seele, was man z.B. an seinem
Dialekt merken kann. Wie fest verwurzelt er sich fühlt mit „seinem“ Grevenbroich, erkennt man daran, dass er diese Stadt sogar besungen hat. Nirgendwo anders
möchte er leben als dort.
Vor langer Zeit hatte es Horst Schlämmer der Journalismus angetan, in dieser Branche blieb er auch tätig. Durch Hartnäckigkeit und seine unnachahmliche
Art hatte er es zum Stellvertretenden Chefredakteur des „Grevenbroicher Tagblatts“ gebracht. Auf diesem Posten sauerte er allerdings schon viele Jahre dahin.
Wenn es eine Story zu recherchieren galt, kniete Horst sich voll rein. Strikt handelte er nach seinem Motto: „Immer janz dicht dran und knallhart nachjefracht.“
Ihn als feinsinnig zu beschreiben, wäre übertrieben, aber stets behielt er sein Gespür für seine Umwelt und die Menschen in seiner Umgebung. Vieles erfuhr er
von ihnen, von ihren Freuden und ihren Ängsten. Angefangen bei Arbeitslosigkeit, Unterbezahlung, Umweltproblemen und weiter bei der erschreckenden
Wirtschaftskrise und ihren ungewissen Folgen, diese Sorgen nahm er immer ernst und dies zeigte er den Betroffenen auch. Deswegen mochten ihn die Menschen
und verziehen ihm seine oft direkte, manchmal auch brüskierende Art. Stets blieb er dabei er selbst, offen, ehrlich und ungekünstelt.
Über die Ursachen der Sorgen und Nöte machte er sich intensiv Gedanken. Eine Möglichkeit, die Gründe zu erfahren, ergab sich, als in diesem Jahr Wahlen zum
Deutschen Bundestag und auf kommunaler Ebene anstanden. Davon wollte das „Grevenbroicher Tagblatt“ ganz groß berichten.
Um authentische Berichte veröffentlichen zu können, sollten verschiedene Politiker befragt werden. Diese Aufgabe wollte der Chefredakteur persönlich übernehmen.
Darüber war Horst sehr enttäuscht. Aber es kam doch anders. Sein Vorgesetzter war durch eine Unpässlichkeit verhindert, so dass Horst die Chance nutzte und die
Interviews führen konnte.
Er sprach mit Vertretern fast aller Parteien, fast jedweder Richtung. Ihm wurden Fragen beantwortet, wodurch sich ihm neue Fragen stellten. Und schließlich
kam Horst zu dem Schluss, dass die bestehenden Probleme durch vielschichtige Ursachen entstanden waren, durch Unfähigkeit, Ignoranz, Korruption, Skrupel-
losigkeit und auch durch Gier, um nur einige zu nennen. Und alle Politiker versprachen, dass, wenn sie gewählt werden würden, alles besser werden würde.
Da stellte sich unser Lokalreporter die Fragen:
Was wollen die wirklich?
Ist das zu schaffen?
Warum das alles?
Und er kam zu einem überraschenden Entschluss:
Er wollte in die Politik einsteigen, es besser machen. Eines seiner neuen Mottos lautete: „Wat die anderen nich können, dat kann isch auch.“ Und er setzte sich ein
großes Ziel: Er wollte kandidieren und Bundeskanzler werden. Über die nötigen Modalitäten informierte er sich bei weiteren Befragungen einflussreicher Politiker.
Zuerst musste eine eigene Partei gegründet werden. Das wurde die HSP, die
Horst Schlämmer Partei. Als Farbe für diese neue Partei wählte Horst ein
neutrales Ocker. Das neue Wappentier der Deutschen sollte der absolut nicht
aggressive Bundeshase sein. Die Überraschung in der gesamten Gesellschaft
war groß. Der Wahlkampf gestaltete sich als durchaus mühselig, aber Horst gab
nicht auf. Er traf sich auch mit Prominenten aus Show, Lifestyle, Sport und
Politik und überzeugte mit seiner unkonventionellen Art.
Eine Sache muss noch erwähnt werden, Horst und die Frauen. Trotz seines, nun
ja, nicht sehr attraktiven Äußeren im herkömmlichen Sinne, hatte Horst eigentlich
schon immer Schlag bei den Frauen. Einige wandten sich zwar ab, andere aber
fühlten sich von ihm durchaus angezogen. Manche fühlten sich schon nach zwei
Worten von ihm angemacht...
Auch im Wahlkampf konnte Horst auf seine Anziehung bauen. Nicht nur, dass ihn
Frauen, die er schon länger kannte, unterstützten, nein, sogar eine Verlobte fand
sich unverhofft, die an seiner Seite Kanzlergattin werden wollte.
Dann war der Tag der Wahl gekommen. Es wurde spannend. Weil er im Vorfeld
der Bevölkerung aus der Seele sprach- es sollte „mehr für alle...“ - waren ihm
18% der Stimmen prognostiziert worden.
Am Wahlabend saßen Horst und seine Anhänger zusammen in der Stammkneipe und fieberten den Ergebnissen der Hochrechnung entgegen. Dann wurde das
Wahlergebnis verkündet: Auf die HSP entfielen mehr als 37%. Das war ein absolutes Traumergebnis. Mit einem Wunschpartner für eine Koalition war eine Regierung
zum Greifen nahe. Horst sah sich schon als Kanzler.
Doch dann kam der Schock: Die Sprecherin korrigierte das eben verkündete Ergebnis, denn es war eine peinliche Panne aufgetreten. Wegen eines falsch gesetzten
Kommas schien das Wunder perfekt gewesen zu sein, aber der Fehler wurde berichtigt und die HSP kam nur auf 0,37%... Ein betretenes Schweigen trat ein. Dann
verließen ihn die meisten seiner Anhänger. Vor allem seine machthungrige „Verlobte“ wandte sich brüsk ab, denn sie hatte es wirklich nur auf den Platz neben dem
künftigen Kanzler abgesehen. Nun zeigte sie ihr wahres Gesicht und ließ ihn fallen wie eine heiße Kartoffel.
Wiederum stand Horst Schlämmer allein und widmete sich wieder dem Journalismus. Die Zeit verging und das Leben ging weiter.
Gestern schließlich war der Tag der Deutschen Einheit. Bei der Einheitsfeier in seiner Stammkneipe, dem „Wilddieb“, ließ Horst es wieder richtig krachen. Ein Herren-
gedeck folgte dem nächsten, die Stimmung war grandios und auch einige Damen, die sich dort hin verirrt hatten, wurden gnadenlos angebaggert.
Der Abend versprach, heiß zu werden. Besonders eine Dame, auf die er schon seit langem ein Auge geworfen hatte, konnte sich kaum vor seinen Avancen retten.
Sie war ganz nach seinem Geschmack, gut aussehend und etwas drall, griffig, so wie es sein musste.
Der folgende Tag dagegen begann schon mies. Anstatt auf den Wecker griff Horst in den überfüllten Aschenbecher. Ein Blick zur Seite, er erwachte allein. Also hatte
sich keine Frau von ihm abschleppen lassen, um eine heiße Nacht mit ihm zu verbringen. Vielleicht war das sogar besser, denn Horst fühlte sich jetzt gar nicht gut.
Er hatte eine Gänsehaut, Magendrücken und ein Ziehen in der Herzgegend. Was waren das für Wehwehchen? Sonst litt er immer an Füßen, Rücken und Kreislauf. Er
war schließlich Anfang 50, ein gefährliches Alter für einen Mann. War es heute das Herz? Die Leber? (er warf einen Blick auf ein Fläschchen Doornkaat.) Oder
war es der Magen? Vielleicht war das letzte Mettbrötchen schlecht gewesen... Oder sollte er mal auf Kur fahren? Das war es sicher. Er würde sich einmal mit einem
Bekannten unterhalten, der damit Erfahrungen hatte. Dabei konnte er gleich noch einen Blick auf dessen attraktive Ehefrau werfen, in deren Gegenwart er immer
nervös wurde.
Den Tag über wurde es nicht besser mit ihm. Er schaute in den Spiegel und streckte sich die Zunge raus. Sie war etwas belegt. Gut, das Mettbrötchen war ja auch
belegt gewesen. Dann sah er auf seinen üppigen Bauch. Ein bisschen Sport könnte sicher nicht schaden. Für den einzigen Sport, den er bisher betrieben hatte, war
immer eine Partnerin nötig gewesen… Die hatte er heute nicht. Die Sache mit dem Sport müsste er sich noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Insgesamt ein
wenig kürzer treten konnte auf jeden Fall nicht schaden.
Dann am Abend, saß Horst vor dem Fernseher, in der einen Hand ein Magazin, in der anderen eine Zigarette. Dann liefen die Promi-News. Was dabei gesendet
wurde, brachte ihn dazu, seine Zigarette aus der Hand fallen zu lassen. Die Sprecherin verkündete das bevorstehende Ableben von Horst Schlämmer. Darauf brauchte
er erst mal einen Doornkaat.
„Wat sacht die? Isch soll bald ableben? Hat dat irgendein Quacksalber in seine Kristallkugel jesehen? Daraus wird nischt, weisse Bescheid! Isch lasse meinen Namen
doch nischt oben auf eine Kondolenzliste setzen, wo alle unterschreiben sollen. Die lachen sisch dann eins und isch bin der Blöde, nischt mit mir! Isch wende misch an
den Petitionsausschuss des Bundestages und beschwere misch. So jeht dat nischt, kannste verjessen! Solsche unglaubwürdijen Unwahrheiten dürfen die nicht einfach
verbreiten! Dat lass isch nischt mit mir machen! Totjesachte leben länger.“
Kämpferisch schaute Horst in die Zukunft: „Das Leben geht weiter… als du denkst.“
© by Jana
Holland in Not
Meldung in der Deutschen Tagespresse:
Der bekannte Lokalreporter Horst Schlämmer ist scheinbar verschwunden. Seit längerem wurde nichts Detailliertes mehr vom Stellvertretenden Chefredakteur
des Grevenbroicher Tagblatts gehört. Selbst ein verzweifelter Aufruf seiner Bekannten Gisela verhallte unbeantwortet. Gisela macht sich bittere Vorwürfe, Schuld an
seinem Verschwinden zu sein, da sie eine wichtige Unterschriftenliste für seine Partei HSP nicht weitergeleitet hatte.
Mittlerweile werden schon Horst-Doubles gesucht, für die man im Internet abstimmen kann. Da neben einigen durchaus würdigen Anwärtern sogar Tiere
als Bewerber zur Wahl stehen, kann an der Seriosität dieses Ansinnens zumindest gezweifelt werden. Inzwischen wird auch erwogen, eine Hotline für
Horst-Sichtungen einzurichten. Einzelheiten darüber sind bisher noch nicht bekannt, wir werden über aktuelle Entwicklungen zu diesem Thema weiter berichten.
Einem bislang unbestätigten Gerücht zufolge soll sich Horst Schlämmer im Ausland aufhalten. Angeblich hat er dort um therapeutische Hilfe nachgesucht. Über den
Inhalt der vermeintlichen Therapie ist gleichfalls nichts bekannt. Sobald wir nähere Informationen über den Aufenthaltsort, Gemüts- und Gesundheitszustand des
Vermissten erhalten, werden wir unsere geneigten Leser umgehend davon in Kenntnis setzen.
Währenddessen, allerdings in Unkenntnis der in Deutschland verbreiteten
Meldung, räkelte sich Horst Schlämmer am Tisch in einem kleinen gemütlichen
Zimmer in einem großen Mehrfamilienhaus, das vor über einhundert Jahren
aus roten Backsteinen erbaut worden war. Das Fenster seines Zimmers gab
den Blick frei auf einen kleinen beschaulichen Hof, auf den am Vormittag schon
der Sonnenschein fiel. Horst sah kurz aus dem Fenster und grunzte zufrieden.
Er hielt sich tatsächlich im Ausland auf. Nicht weit entfernt von der deutschen
Grenze hatte er diesen ruhigen Ort für seinen Rückzug gefunden.
Aber die Hände gänzlich von seiner journalistischen Tätigkeit zu lassen,
vermochte er einfach nicht. So saß er am Tisch, neben sich einen erst
halbvollen Aschenbecher, tatsächlich, Horst rauchte schon weniger als jemals
zuvor. Hinter dem Ascher stand eine Flasche mit stillem Mineralwasser.
Auch eine Vase mit Blumen hatte sich in das Zimmer verirrt und die Blumen
waren nicht einmal verdorrt. Zwar standen sie in Mineralwasser, aber das
schien sie nicht zu stören. Horst war sogar rasiert und er wirkte glatt um
mehrere Jahre jünger.
Nach den Enttäuschungen der letzten Zeit, in politischer Hinsicht und in Bezug
auf Frauen, brauchte er diese Auszeit einfach. Die intensiven Gespräche, die er
in den letzten Tagen geführt hatte, schienen Wunder gewirkt zu haben.
Er fühlte sich wohler und ausgeglichener denn je. Er wollte zurück zu sich kommen, zu seinen journalistischen Wurzeln. Deshalb stand vor ihm eine vorsintflutliche
Schreibmaschine, auf deren Tasten er munter einhieb, dass die Anschläge nur so knallten. Noch immer hatte er das aktuelle Tagesgeschehen verfolgt und nun
ließ dieses ihm keine Ruhe, er musste dazu einfach einen Artikel verfassen. Welche Zeitung diesen veröffentlichen würde, darüber machte sich Horst noch keine
Gedanken. Nur das Jetzt zählte. Er schrieb:
„Unsere holländischen Nachbarn haben Wut. Ihre Regierung beschloss jüngst, dass für jeden mit dem Auto zurückgelegten Straßenkilometer drei Cent Steuer
zu zahlen seien. Per GPS, mit dem jedes Fahrzeug in Zukunft auszustatten ist, wird jede gefahrene Strecke dem niederländischen Finanzamt gemeldet. Für
Schummeleien sollen Gefängnis- sowie hohe Geldstrafen verhängt werden. Auch nicht beachtete oder gemeldete Störungen des Gerätes werden bestraft. Aber es
wird Ausnahmen geben: Polizei, Armee, Diplomaten sowie der Fuhrpark der Holländischen Königin sind von dieser Abgabe befreit.
Schon sind findige Rechner dabei, mögliche Ausweichstrecken durch Belgien und Deutschland zu planen und zu verbreiten, für die der „Holland-Straßen-Dreier“ nicht
gilt. Aber es geht auch anders. Da die Oranjes nicht nur unsere lieben Nachbarn, sondern auch unser Brudervolk sind, hier ein kleiner Tipp als brüderliche Hilfe:
Die Niederländer müssen sich nur die Befreiung von der Abgabe ihrer Königin zunutze machen. Schon einmal hat jemand, verkleidet als holländische Monarchin, für
Aufsehen gesorgt, die Einzelheiten dazu sind allgemein bekannt.“
Horst stockte einen Moment, er erinnerte sich genau an diesen Streich, der damals durch alle Medien ging. Auch er hatte darüber geschrieben, nur dass ihn damals
noch keiner kannte. Er fuhr fort:
„Wie wäre es, wenn sich alle niederländischen Autofahrer mit typischem Rock, Mantel und Hütchen ausstatteten und so dem nationalen, gierigen Fiskus ein
Schnippchen schlagen würden? Bei einer etwaigen Überprüfung durch zuständige Behörden müsste die gut formulierte Antwort lauten: „Ja, ich bin die Königin
Beatrix auf dem Weg zum lecker Mittagessen.“
Auch wenn nur ein paar Holländer diesem Vorschlag folgen würden, ein Spaß wäre es allemal. Beim Gedanken daran breitete sich ein diebisches Grinsen auf
Horsts Gesicht aus.
© by Jana
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