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Das Weihnachtsfest
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GlockeEs dunkelte bereits, als ein kleines, stark verbeultes, silbergraues Auto, mit der Aufschrift „Grevenbroicher Tagblatt" auf der Heckscheibe, langsam die Straße entlang fuhr. Der Fahrer schaute aufgeregt von einem Haus zum anderen, so als hielte er nach etwas ganz Bestimmtem Ausschau.
‚Warum hab ich nich besser zujehört, als sie mir erklärte, wo sie wohnt. Die Häuser sehen hier auch wirklisch alle gleisch aus…’
Vor seinem geistigen Auge sah er sie vor sich. Gut gebaut, ihre dunkelroten Haare glänzten im Licht und ihre roten vollen Lippen bewegten sich ohne Unterlass. Doch er schaute ihr nur beseelt in die Augen und hörte überhaupt nicht hin, was sie zu ihm sagte.
Nur die Worte „Heiligabend" und „kommste uns besuchen" blieben ihm im Gedächtnis. Die Adresse hatte sie ihm vorsorglich auf einen Bierdeckel geschrieben, damit er sie nicht vergessen konnte.
In so einer feinen Wohngegend war er sonst eigentlich nicht unterwegs, doch heute am Heiligabend, war er dort als Gast eingeladen. Angestrengt schaute er jedes Haus aus dem Auto ganz genau an. Sie ähnelten sich sehr. Jedes war jetzt zur Weihnachtszeit geschmückt. Vor einigen Häusern standen leuchtende Weihnachtsmänner mit ihren Rentieren und den Schlitten, vor anderen kletterte der Weihnachtsmann an der Hausfassade hoch und vor wiederum anderen standen bunt beleuchtete Weihnachtsbäume. Aber das war alles nicht das Richtige. Etwas deprimiert hielt er sein Auto mitten auf der Straße an und dachte nach. Einen Doornkaat aus seiner Herrenhandtasche fummelnd und sich in seinen Sitz zurück lehnend, überlegte er.
‚Hmm … Weihnachtsmann? Nee! Tannenbaum – auch nisch’
Er nahm einen kräftigen Schluck aus der Flasche und – siehe da - fiel es ihm plötzlich wieder ein! Vor dem Haus, in dem sie wohnte, sollte ein riesiger, hell erleuchteter Schneemann stehen. Links neben der Haustür – genau das war’, was er suchte!
Etwas weiter hinten an der Straße, konnte er den großen leuchtenden Schneemann ausmachen, denn es war der einzige weit und breit. Zufrieden setzte er sein Auto wieder in Bewegung und fuhr die restlichen Meter. Doch vor dem Haus gab es nicht einen freien Parkplatz mehr, sodass er sich etwas weiter entfernt einen suchen musste.
Horst Schlämmer„Ausjerechnet… Und isch muss dat Körbschen jetzt das ganze Ende zurück tragen…" grummelte er vor sich hin. Er hielt den Wagen zwanzig Meter entfernt und stieg aus.
„Glatt isset auch noch…" Fast wäre er beim Aussteigen ausgerutscht, aber er konnte sich gerade noch so an der offenen Wagentür festhalten. Langsam und auf jeden seiner Schritte wohl bedacht, ging er um das Auto herum und öffnete den Kofferraum. Ein großer geflochtener Korb mit verschlossenem Deckel stand darin. Diesen nahm er sachte heraus und begann leise auf ihn einzureden.
„Gleisch haste es jeschafft, is nich mehr weit und Gisela wird Augen machen!"
Vor ein paar Tagen hatte Wolfgang ihn angerufen und ihn gebeten, doch ein Weihnachtsgeschenk für seine Gattin zu besorgen. Wolfgang konnte ja schließlich nicht weg, da seine Frau über jeden seiner Schritte bescheid wissen wollte. Natürlich war er damit einverstanden, das von Wolfgang gewünschte Geschenk zu besorgen. Es sollte etwas sein, damit Gisela nicht mehr allein zu Hause ist, wenn Wolfgang mal wieder auf Kur war. Nun, er hätte sich auch gerne selbst in Geschenkpapier gewickelt und sich von Gisela auspacken lassen, aber da Wolfgang auch anwesend sein würde, ging das ja nicht, was wirklich schade war…
LebkuchenWolfgang war schon eine Weile im Wohnzimmer mit dem Weihnachtsbaum beschäftigt und schaute alle paar Minuten aus dem Fenster. Von hier aus hatte er den besten Blick auf die Straße und so langsam sollte es auch bald soweit sein. Er wartete auf ihren Gast, denn Gisela hatte ihm erzählt, dass sie jemanden für den Heiligabend eingeladen hatte. Sie meinte, sie bringe es nicht übers Herz, ihn an diesem Tag allein zu Hause zu wissen. Wolfgang wollte Horst unbedingt die Tür öffnen, damit Gisela nichts von der Überraschung im Körbchen mitbekam. Gut, dass sie jetzt in der Küche zu tun hatte und dabei auf keinen Fall gestört werden wollte. Schon den ganzen Nachmittag war sie dort beschäftigt, backte Plätzchen, bereitete das Abendessen vor und hörte dabei ihren Lieblingsradiosender. Wie das duftete. Wolfgang liebte es, wenn es zur Weihnachtszeit im ganzen Haus nach frisch gebackenen Plätzchen roch. Nach Zimt und Anis, nach Pfefferkuchen und Mandeln. Für ihn war Weihnachten die schönste Zeit im Jahr.
Schon seit er mit Gisela verheiratet war, hatte er jedes Jahr die Aufgabe, sich um den Weihnachtsbaum zu kümmern. Es machte ihm immer sehr viel Freude ihn auszusuchen und zu schmücken. In diesem Jahr hatte er eine ganz besonders schöne Nordmanntanne ausgesucht. Sie war von stattlichem Wuchs und sah wirklich prächtig aus. Auf den Weihnachtsbaumverkäufer auf dem Korchenbroicher Weihnachtsmarkt konnte man sich eben verlassen. Er war auch der Beste weit und breit und Wolfgang kaufte bei ihm jedes Jahr seinen Weihnachtsbaum.
Wie an jedem Heiligabend holte er den Baum kurz nach dem Mittagessen ins Wohnzimmer zum Schmücken. Der Baum fand seinen Platz direkt links neben dem weißen Sofa. Am Vormittag hatte Wolfgang schon den Baumschmuck vom Dachboden geholt und konnte nun beginnen. Nachdem er die rote Weihnachtsbaumspitze schon vor der Tür auf den Baum gesteckt hatte, kam die Lichterkette dran. Das war jedes Mal eine Herausforderung, da es gar nicht so einfach war, die Lichter perfekt auf den Zweigen zu platzieren. Aber dieses Mal klappte es schon beim ersten Versuch.
Wolfgang liebte es, seinen Weihnachtsbaum mit roten und goldenen Kugeln dezent zu schmücken. Einige der Kugeln waren glänzend andere waren mattiert. Durch einige konnte man hindurch sehen und wiederum andere waren wunderschön mit goldener oder weißer Farbe verziert. Aber nicht nur Kugeln fanden hier ihren Platz, sondern auch viele große und kleine Strohsterne. Die Strohsterne hatte Gisela ihm zu ihrem ersten gemeinsamen Weihnachtsfest geschenkt.
SternUnterdessen war Gisela in der Küche beschäftigt. Der Plätzchenteig, den sie vor einer Weile in den Kühlschrank gestellt hatte, war nun kühl genug und sie konnte ihn jetzt endlich verarbeiten. Während der Teig kühl stand, hatte Gisela in aller Ruhe das Abendessen vorbereitet. Es sollte Kartoffelsalat mit Würstchen und Frikadellen geben. Horst liebte Frikadellen, das wusste sie und wollte ihm damit eine kleine Freude machen. Da der Kartoffelsalat auch eine ganze Weile kalt stehen musste, hatte sie gleich nach dem Mittagessen damit begonnen. Kartoffeln gepellt, Gürkchen geschnitten und Eier gekocht. Aber nun war alles fertig und sie konnte mit den Plätzchen weitermachen.
Auf diesen Tag im Jahr freute sie sich immer ganz besonders. Ihr gefiel es, den Teig auszurollen und kleine Figuren auszustechen. Aber besonders gern machte sie die Verzierungen. Denn kein Plätzchen sollte dem anderen gleichen. Mit Mandeln, Rosinen, Marmelade und Kuvertüre machte sie sich ans Werk. Im Radio wurden heute schon den ganzen Tag lang Weihnachtslieder gespielt. Gisela liebte Weihnachtslieder, die neuen, genauso wie die alten. Währenddessen sie aus dem Teig abwechslungsreiche Plätzchen kreierte, sagte der Radiosprecher:
„Und nun meine Damen und Herren spielen wir für Sie ganz exklusiv den neuen Song ‚insame Weihnacht’von der bezaubernden Uschi Blum. Zum ersten Mal hat sie sich an ein Weihnachtslied gewagt und ich muss sagen, es ist wirklich klasse geworden, aber hören Sie selbst!" Leise begann die Musik zu spielen und Uschi sag mit ihrer wundervollen Stimme:
„Nun ist wieder bald soweit,
es naht die schöne Weihnachtszeit
Besinnlichkeit und Freude liegen in der Luft,
und ganz bezaubernd ist der Weihnachtsduft.
Die Zeit ist nah, ich bin bereit
für die schöne Weihnachtszeit.
An Freunde und Familie denken
und sich etwas Schönes schenken.
Doch ich bin traurig und allein,
denn niemand wird Weihnachten bei mir sein.
Die Zeit ist nah, ich bin bereit
für eine gemeinsame Weihnachtszeit.
Gesehen hab ich ihn im Traum,
sitzend unterm Weihnachtsbaum.
Meinen Traummann nur für mich allein,
denn an Weihnachten will ich nicht alleine sein.
Die Zeit ist nah, ich bin bereit
für eine kuschelige Weihnachtszeit.
Doch wird der Mann in rot nicht daran denken,
mir meinen Traummann je zu schenken.
Drum ist’ der einzige, den ich vernaschen kann,
mein Schokoladenweihnachtsmann.
Die Zeit ist nah, ich bin bereit
für eine zuckersüße Weihnachtszeit."
Uschi BlumGisela musste schmunzeln. Sie erinnerte sich daran, wie sie Uschi auf einer Wahlkampfveranstaltung vom Horst kennen gelernt hatte. Im Grunde war sie wirklich eine ganz Liebe, ließ aber gerne mal die Diva raushängen. Uschi tat ihr richtig leid, dass sie nun heute Abend ganz allein zu Hause saß…
Unterdessen war Wolfgang schon fast fertig mit dem Baumschmücken, als er Horst die Straße entlang kommen sah. Schnell stellte er den Karton mit den Kugeln auf den Tisch und huschte schnell an der Küche vorbei, um die Haustür zu öffnen. Horst sollte nicht klingeln, damit Gisela nichts von der Überraschung mitbekam.
Horst ging ganz vorsichtig die Straße entlang. In der einen Hand hielt er behutsam das Körbchen, in der anderen seine Herrenhandtasche. Er musste aufpassen, damit er das Gleichgewicht nicht verlor.
„Is nisch mehr weit, Jott sei dank" murmelte er, denn es war gar nicht so einfach, das Körbchen ruhig zu halten, schon gar nicht, wenn der Gehweg nicht gestreut und daher glatt war.
Das Haus, in dem Wolfgang und Gisela wohnten, war nicht sehr groß. Es war pastellgelb verputzt und ging über zwei Etagen. Passend zum Dach waren an den Fenstern dunkelrote Läden angebracht. An der Hautür hing jetzt zur Weihnachtszeit ein großer, geflochtener Kranz aus Tannenzweigen, den winzige rote und goldene Kugeln zierten.
Langsam öffnete sich die Tür und Wolfgang schaute seinem Gast freudig entgegen.
„Isch hab doch noch gar nisch jeklingelt" sagte Horst und reichte Wolfgang erleichtert das Körbchen.
„Komm erstmal rein" sagte der und bat Horst ins Haus. Horst schaute sich mit großen Augen um, denn er war noch nie vorher hier gewesen. Eine große, dunkle und sehr alte Garderobe war das Prunkstück in der Diele. Sie hatte eine riesige Tür mit einem Spiegel, hinter der sich viele Fächer verbargen.
TannenbaumEine schöne breite Holztreppe führte nach oben. Wolfgang lief schnell mit dem Körbchen hinauf, um es dort vor Gisela zu verstecken, denn sie hatte längst ihren Gast bemerkt und kam aufgeregt aus der Küche.
„Horst, schön das de da bist!" Sie strahlte übers ganze Gesicht und nahm ihn freudig in die Arme.
„Du duftest aber jut, Schätzlein" sagte er und machte ein beseeltes Gesicht. Bei ihrer Begrüßung erhaschte Horst einen Blick auf den Küchentisch, wo Gisela gerade dabei war, aus ihren Plätzchen kleine Kunstwerke zu machen. Er löste sich aus ihrer Umarmung und steuerte direkt darauf zu. Bevor Gisela es verhindern konnte, hatte Horst bereits den ersten Keks im Mund.
„Mmmmh… Die schmecken herrlisch", sagte er genussvoll kauend. Gisela wollte schon lospoltern, besann sich aber eines Besseren und schob Horst sanft, aber mit Nachdruck wieder aus ihrer Küche. Sie bedeutete Wolfgang, der gerade die Treppe hinunter gekommen war, mit Horst ins Wohnzimmer zu gehen, da der Baum noch zu Ende zu schmücken sei.
„Und vergiss nisch, den Tisch für das Abendessen zu decken" rief sie ihrem Gatten noch nach, bevor sie wieder die Küchentür hinter sich schloss.
Der Tisch war liebevoll gedeckt, als Gisela mit einer großen Schüssel Kartoffelsalat das Wohnzimmer betrat. Der ganze Raum wurde von den Kerzen des Weihnachtsbaumes und von zwei prunkvollen Kerzenständern auf dem Esstisch erhellt. Eine heimelige Stimmung schwang durch den Raum. Nachdem auch die Frikadellen und die Würstchen aufgetragen wurden, setzte man sich an den großen runden Esstisch.
„Isch freue misch, dass isch heute Abend hier sein darf" sagte Horst und drückte Gisela die Hand. Dann wurde gegessen. Horst hatte schon lange keinen so guten Kartoffelsalat mehr bekommen. Und die Frikadellen waren auch um Welten besser als die im „Wilddieb". Da konnte Günni sich ruhig mal eine Scheibe von abschneiden…
Wolfgang wollte wissen, was Horst in den letzten Wochen gemacht hatte. Horst erklärte, er hätte sich eine kleine Auszeit genommen. Er musste mal mit jemandem reden, der sein Leben mit viel Abstand betrachteten konnte. Er war in Rotterdam bei einer Therapeutin gewesen. Diese hatte er schon mal bei einem ihrer Seminare „Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit" kennen gelernt und bereits ein Interview mit ihr für das „Grevenbroicher Tagblatt" geführt.
Geschenke„Evje is eine janz tolle Frau. Wir haben stundenlang jeredet. Über das Tagblatt und warum isch misch da so unwohl fühle. Denn auf ewig nur die Nummer zwei zu sein, dat kann ja nich jut jehen."
„Und wie soll dat nun weitergehn mit dir?" wollte Gisela wissen.
„Isch werde in Zukunft wieder meiner journalistischen Tätigkeit nachgehen, denn den Job beim Tagblatt hab isch ja nisch jekündigt und dat Schreiben über die Menschen hier liegt mir doch sehr am Herzen. Dat is mir in den janzen Gesprächen mit Evje klar jeworden." Zufrieden biss Horst in seine Frikadelle.
„Sag mal", Gisela schaute Horst fragend an. „Weisse eigentlisch, wie es der Uschi jeht?"
„Welcher Uschi?" Horst wusste so schnell nicht, wen Gisela meinte.
„Na der Uschi Blum" mischte sich Wolfgang ein.
„Ach ja, die Uschi!" jetzt erinnerte er sich wieder und grinste. Uschi. Die hat ihm gefallen. Allein schon ihr divenhaftes Auftreten, das imponierte ihm ungemein. Sie machte einen sehr temperamentvollen Eindruck, jedoch wusste er, dass sie tief in ihrem Inneren einen weichen Kern hatte.
Horst hatte Uschi vor einiger Zeit auf dem Hurtigrutenschiff MS Midnatsol getroffen. Dort hatte sie ein Engagement und jeden Tag dort die Passagiere begeistert. Er hatte seinen Urlaub auf dem Schiff verbracht. Das war eine tolle Erfahrung gewesen, jeden Tag eine andere norwegische Stadt zu sehen, denn die Schiffe, die ursprünglich zum Transport von Post und Waren dienten, sind schon seit einiger Zeit sehr beliebt bei den Touristen.
Nach einem ihrer grandiosen Auftritte hatte Horst sie auf seine Kabine eingeladen. Aber lang geblieben war Uschi nicht – vielleicht war er nicht charmant genug gewesen…
„Ich hab ihr neues Weihnachtslied vorhin jehört", meinte Gisela. „Dat klang sehr traurisch. Sie tut mir wirklisch leid, wenn sie heut tatsächlisch einsam und verlassen zu Hause ist." Sie trank den Rest aus ihrem Glas und begann dann den Tisch abzuräumen. Horst schaute vor sich hin und dachte nach. Dann stand er auf und verabschiedete sich. Gisela und Wolfgang schauten erstaunt, konnten ihn aber nicht zum Bleiben überreden. Er hätte noch was Wichtiges zu erledigen, sagte Horst und schon war er verschwunden.
„Schade, dass Horst schon jegangen ist", sagte Gisela etwas traurig. Sie saß mit einem Glas Rotwein in der Hand auf der Couch und schaute auf den Weihnachtsbaum. Der gefiel ihr in diesem Jahr besonders gut. Wie die Lichter die roten und goldenen Kugeln anstrahlten und dann die Strohsterne, die passten wirklich wunderbar dazu. Ja die Strohsterne. Gisela erinnerte sich noch genau daran, wie sie Wolfgang, damals vor vielen, vielen Jahren, ein kleines Päckchen mit großer roter Schleife zu ihrem ersten Weihnachtsfest schenkte. Zu der Zeit wohnten sie noch in einer sehr kleinen Wohnung in einem Mehrfamilienhaus, direkt unter dem Dach. Man musste dort noch selbst den Ofen heizen und irgendwie wurde die Wohnung trotz des vielen Heizens im Winter nicht wirklich warm. So saßen sie mit den Rücken am großen Ofen, der in ihrem Wohnzimmer stand und lauschten der Weihnachtsmusik, die vom Plattenspieler kam.
Überall brannten Kerzen und tauchten den Raum in ein warmes, diffuses Licht. Einen Weihnachtsbaum hatten sie damals noch nicht. Nur eine große Vase mit Tannenzweigen stand auf dem Tisch. Gisela zog das kleine Päckchen hervor und reichte es Wolfgang.
Weihnachtsmann„Fröhlische Weihnachten", sagte sie und gab ihm einen Kuss. Mit großen Augen öffnete er das Schächtelchen und hielt die Sterne in den Händen. Zusammen hängten sie ihren ersten Baumschmuck an die Tannenzweige.
Gisela lächelte bei der Erinnerung. Seit dem hatten sie schon viele Weihnachtsfeste miteinander verbracht, aber keines war so schön wie dieses vor vielen Jahren. Wolfgang, der sich leise nach oben geschlichen hatte, kam nun wieder ins Wohnzimmer, mit dem Körbchen in der Hand. Gisela war so vertieft in ihren Gedanken, dass sie gar nicht bemerkte, dass sie alleine war. Wolfgang setzte sich neben sie auf die Couch und stellte ihr das Körbchen auf den Schoß. „Fröhlische Weihnachten", sagte er.
„Wat is da denn drin Wolfgang?" Gisela war sehr überrascht. Sie öffnete den Deckel und zwei große Augen schauten sie an.
„Oh, wie is das süüüüüüüüüüüüüüüüß", sagte sie verzückt und hob ein kleines Kätzchen aus dem Korb. Die großen Augen schauten sich um und die kleinen Öhrchen lauschten jedem Geräusch. Das Kätzchen hatte ein Orange-Getigertes Fell und der kleine Schwanz bewegte sich ohne Unterlass.
„Gefällt er dir?" fragte Wolfgang.
„Er?"
„Er ist ein Kater." Wolfgang lachte. „Und er hat noch keinen Namen, isch dachte, den kannst du ihm geben."
Gisela schaute den kleinen Kerl an und sagte: „Du siehst aus wie ein Felix. Isch finde Felix schön." Felix, der es sich auf Giselas Schoß bequem gemacht hatte, schnurrte zufrieden.
Horst hielt mit seinem Auto direkt vor einem großen Haus. Ob jemand zu Hause war, konnte man schwer sagen, denn es war kein Licht zu sehen. Aber auf jeden Fall wollte er sein Glück versuchen. Horst stieg aus, diesmal vorsichtig, ging zur Tür und klingelte. Nichts passierte.
‚Hm, wohl doch keiner da, schade…’ Er wollte gerade wieder gehen, als die Tür doch noch geöffnet wurde. Eine Frau mit langem, rot gelocktem Haar, einem Bademantel bekleidet und einem Glas Rotwein in der Hand stand in der Tür. „Fröhlische Weihnachten, Schätzelein", sagte Horst und hielt ihr schmunzelnd einen Schokoladenweihnachtsmann entgegen.
© Text by Dina

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